Zugefallen ist mir die Begegnung mit der Erich Kästner Realschule in Gladbeck bei einer Learning Journey mit einer Senior Management-Gruppe eines Trailer-Herstellers.
Die Begegnung war so beeindruckend, dass ich seit nunmehr 10 Jahren mit dieser Organisation freudvoll und ehrenamtlich zusammenarbeite. Um zu zeigen, warum mich diese Schule so begeistert, möchte ich einen kurzen Einblick geben:
Was für eine Schule ist die Erich Kästner-Realschule und wie arbeitet sie?
Die Schule fällt seit vielen Jahren durch herausragende Leistungsmerkmale auf:
Ich konnte es erst nicht glauben und war umso erstaunter, wie agil diese Organisation arbeitet:
Ihre Vision, auch wenn sie nicht so genannt wird, ist die Utopie einer guten Schule. Definiert als „Lern- und Lebensraum, in dem alle Beteiligten mitwirken und –entscheiden.“ Neben der offiziellen Struktur einer Regelschule gibt es eine gelebte holokratische Struktur aus Zirkeln und Rollen (Kern ist die Steuerungsgruppe aus Schüler*innen, Lehrkräften und Eltern). Der Führungsstil des Schulleitungsteams (drei Lehrkräfte auf Augenhöhe) ist zulassend. Das heißt, jede Idee soll ausprobiert werden können, um schnell herauszufinden, welche Ideen gut sind. Eine hilfreiche Grundlage für Entwicklung und Umgang mit Fehlern und Misserfolg.
Der Autonomie-/Partizipationsgrad der Schüler*innen ist hoch und wird von ihnen selbst mit knapp 50% eingeschätzt. Das heißt, die Schüler*innen entscheiden sehr stark mit. Hierzu zählen neben der Mitwirkung in der Steuerungsgruppe ein Schulvertrag, Selbsteinwahl in den Förderunterricht ab Klasse 5, selbst formulierte Lernziele und freie Wahl der Mathelehrkraft in der Klasse 9. Die Schüler*innen sind auffallend selbstverantwortlich und lernen auch „Nein“ zu sagen. Ein Punkt, der die Senior Manager damals sehr nachdenklich gemacht hat. Und die Schüler*innen sind hochgradig mit ihrer Schule identifiziert.
Was viele noch mehr überraschen wird: Das Ganze findet statt in einem sozialen Brennpunkt mit einem vergleichsweise hohen Migrationsanteil und einem baulich wahrlich nicht attraktiven Schulgebäude.
Meine Zusammenarbeit mit der Schule
Drei Mal im Jahr trifft sich das Schulleitungsteam mit mir zum Thema Schulentwicklung für einen Tag außerhalb der Schule. Auf der Agenda stehen aktuelle Knackpunkte, Schulentwicklungsthemen und die Selbstreflexion als Schulleitung. Einmal jährlich arbeite ich mit Schüler*innen der Klassen 8 für zwei Tage an den Themen Wahlfreiheit und Selbstverantwortung sowie Schwerpunktthemen aus der Schulentwicklung. Derzeit ist es das Thema: „Wie gebe ich als Schüler*in proaktiv und konstruktiv meiner Lehrer*in ein qualifiziertes Feedback?“.
Mich begeistert die Neugier und Lernfreude dieser jungen Menschen und für mich bewahrheitet sich immer wieder ein Leitsatz des damaligen Direktors Weggel: „Wenn man Menschen zum Ausdruck bringt, dass man ihnen etwas zutraut und sie machen lässt, werden sie einen immer positiv überraschen.“ Übrigens eine Erkenntnis, die vielen Führungskräften bei der Entwicklung ihres Teams helfen würde.
Nach einem Tag Arbeit mit der Schule komme ich mit mehr Energie nach Hause als ich morgens hatte. Hier macht Arbeit so viel Sinn und Freude, dass diese Art der Bezahlung mehr als ausreichend ist. Mittlerweile haben auch eine Reihe von anderen Berater*innen von P1 ebenfalls mit dem Kollegium und anderen Schülern gearbeitet.
Und ich lerne immer wieder neue Dinge, die ich in meiner Arbeit als OE’ler in anderen Organisationen gut nutzen kann. Ein wahrlich „gutes Geschäft“.
Wer mehr aus erster Hand von dieser Schule erleben will, kann sich an das Schulsekretariat wenden und nach einer Hospitationsmöglichkeit fragen (https://www.ekr-gladbeck.de/).