In manchen unserer Workshops bei P1 lassen wir unsere Teilnehmenden ihre Rollen reflektieren und aufschreiben, die sie so in ihrem täglichen Leben einnehmen und mit denen sie Zeit verbringen. Eine Rolle, die neben der als Trainerin und Beraterin bei P1 Zeit einnimmt, ist meine Rolle als Kunstpädagogin und Kulturvermittlerin. Ja zum Jammern, Büro der Möglichkeiten, PLK, Kreuz&Quer – das alles sind Projekte und Kontexte in denen ich teils ehrenamtlich, teils auf Honorarbasis als Kunst- und Kulturvermittlerin mitgewirkt habe. In diesem Blogartikel mag ich Dich gerne einladen einen kleinen Blick in diesen Teil meines „Und sonst so?‘s“ zu werfen:
Wie bin ich dazu gekommen?
Die Kunst begleitet mich schon lange. Maßgeblich seit meiner Schulzeit und meinem Kunst-Leistungskurs. Und trotzdem habe ich mich nach dem Abitur zunächst für – wie man so schön sagt – „Vernünftigeres“, aber ebenso Interessantes – Wirtschaftspsychologie – entschieden. Irgendwann habe ich sie dann vermisst, die Kunst. Nach meinem dritten Praktikum und zweiten Werkstudentenjob zwischen Marktforschung, Marketing und HR. Und so habe ich dann meinen zweiten Bachelor begonnen in „Bildender Kunst und ästhetischer Erziehung“. Im Seminar Umwelt- und Produktentwicklung bei Stefanie Reiterer von bauwärts konnten wir uns dann entscheiden, ob wir eine Präsentation halten wollen oder ein Projekt zur Förderung beim Kulturamt der Stadt Regensburg einreichen. Für das Projekt fanden sich mit mir vier Studierende. Und so entstand 2021 mein erstes gefördertes Kulturprojekt. Die Stadtkarte Kreuz&Quer mit der man entlang von Spaziergängen die Kunst im öffentlichen Raum in Regensburg entdecken kann und die bis heute im Tourismusbüro der Stadt Regensburg ausliegt.
Und danach?
...folgten Führungen entlang von ausgewählten Kunstwerken aus der Stadtkarte und darauf zugeschnittene Mitmach-Hefte, die einem über das „Ist das Kunst oder kann das weg?“ hinweghelfen und die Auseinandersetzung mit Kunst im öffentlichen Raum ganz spielerisch erleichtern. Pop-up Kunstworkshops an Bierbänken im öffentlichen Raum in einem Stadtviertel, das sonst wenig kulturelle Angebote hat. Und eins meiner Lieblingsprojekte: Ja zum Jammern, bei dem wir (ich und drei andere Kunstpädagoginnen) Jammergedanken von Passanten in Regensburg gesammelt haben und diese von wieder anderen Menschen an einem Stadtfest auf der Rückseite illustrieren ließen. Am Ende haben wir die Ergebnisse dann ausgestellt (siehe oben). Dieses Projekt hat uns wahnsinnig viele schöne Momente, berührende Begegnungen & viele Schmunzler gebracht. Und es war ein faszinierender zeitgeschichtlicher Ausschnitt, was die Menschen gerade zum Jammern bringt. Finanziert wurden diese Projekte durch kleine Förderungen, auf die man sich in unserem Fall bei der Stadt Regensburg bewerben konnte.
Wie funktioniert das?
Das Kulturreferat der Stadt Regensburg schreibt immer wieder Förderungen aus. Eines davon ist das kulturelle Jahresthema. Hier kann man jedes Jahr zu einem festgelegten Thema, kulturelle Projekte einreichen und sich auf eine Förderung bis 5.000 € bewerben. Zunächst schreibt man den Projektantrag. In dem erläutert man sein Vorhaben, den geplanten zeitlichen Ablauf, die Mitglieder des Projekts & die für die Umsetzung benötige Fördersumme. Oft höre ich, dass Menschen unsicher sind, ob ihr Projekt geeignet ist und so ein Förderantrag zunächst abschreckend wirkt. Aber was gibt es zu verlieren? Im schlimmsten Fall bekommst du eine Absage – und wertvolles Feedback für den nächsten Versuch. Im besseren Fall befindet sich wenige Wochen oder Monate später in deinem Mail-Postfach eine Zusage. Dann unterschreibt man in der Regel eine Art Fördervertrag und verpflichtet sich damit zur Durchführung und Dokumentation des Projekts. Und dann kanns auch schon losgehen :-)
Warum ich das tue?
Aus ganz unterschiedlichen Beweggründen: Einer davon ist, dass es wahnsinnig viel Spaß macht, mit anderen kreativen Menschen Ideen zu spinnen und spannende Projekte umzusetzen. Ein weiterer ist, dass wir Menschen in Kontakt mit Kunst und Kultur bringen, da wo sie es oft nicht erwarten. Viele halten unsere Projekte zunächst für Kinder-Bespaßung. Das ist nicht weiter verwunderlich. Als Kinder bemalen wir weiße Blätter spielerisch und präsentieren sie stolz. Doch wann hast du zuletzt als Erwachsener ein Bild gemalt oder etwas Kreatives gemacht? Passanten reagieren daher oft erstmal ausweichend und abweisend, wenn wir sie in der Fußgängerzone auffordern mitzumachen. Auch weil wir, wie ich finde, nur noch selten mit fremden Menschen einfach so in Kontakt kommen. Und dann wollen wir auch noch, dass sie etwas aufschreiben, zeichnen, dalassen. So gesehen sind wir mit unseren Projekten eine ganz schöne Zumutung ;-) Aber: Die, die sich drauf einlassen, bereuen es selten.
In Zukunft möchte ich auch gerne in Organisationen mehr mit Kunst und anderen kreativen Techniken arbeiten. Ich bin überzeugt davon, dass ein künstlerisch-spielerischer Umgang da helfen kann, wo wir mit rationaler Denkarbeit nicht weiterkommen.
Was ich sonst noch daraus mitnehme?
Und: Oft braucht es nur eine kleine Einladung, um sich auf etwas Neues einzulassen – sei es Kunst, Kultur oder ein weißes Blatt Papier.