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„Je intensiver du deiner inneren Stimme zuhörst, umso besser wirst du erfassen, was in der äußeren Welt vor sich geht“
Dag Hammarskjöld; schwedischer Diplomat und Generalsekretär der Vereinten Nationen
Dag Hammarskjöld war von 1953 bis 1961 Generalsekretär der Vereinten Nationen. Er vermittelte in zum Teil enorm schwierigen und anspruchsvollen internationalen Krisenlagen und es gelang ihm und seinem Team wiederholt, unerwartete Verhandlungsergebnisse zu erzielen, beispielsweise während der Suezkrise im Jahre 1956. Es war bekannt, dass es unter seinen Büroräumen einen Raum gab, in dem er sich mit seinem Team regelmäßig, insbesondere vor besonders anspruchsvollen Missionen, zurückzog, um zu meditieren. Er hatte erkannt, dass es für eine umfassende Antwort in emotional-seelisch herausfordernden Situationen immer auch Phasen der Stille bedurfte.
Heute haben wir ein tieferes Verständnis der emotionalen und physiologischen Vorgänge in belastenden Situationen: Unser Cortisolspiegel steigt, der sympathische Teil des vegetativen Nervensystems wird aktiviert und versetzt uns in erhöhte Handlungsbereitschaft. Unsere Wahrnehmung verengt sich auf wenige Aspekte des äußeren Erlebens. Es folgt ein erhöhtes Stresserleben und ein gesteigerter Handlungs- und Entscheidungsdruck. Unser neuronales System möchte so schnell es geht wieder raus aus dem Stress. Entweder durch Bekämpfen der Auslöser oder durch Flucht. Dabei arbeitet unser Verstand mit seinen kognitiv-analytischen Anteilen auf Hochtouren, um situativ plausible Lösungen heraus aus der Krise zu produzieren.
Daran ist nichts falsch oder verbesserungswürdig. Doch was gewinnen wir zusätzlich, wenn wir die Praxis der Meditation hinzunehmen? Zunächst einmal geht es in der Meditation darum, die eigenen Gedanken wahrzunehmen und damit eine Beobachterposition in sich selbst zu etablieren. Das erlaubt uns auch, wenn wir mit der Zeit präziser zu beobachten lernen, dass wir das Entstehen, Verweilen und Vergehen von Gedanken wahrnehmen können. Damit ändert sich der Fokus unserer Aufmerksamkeit weg vom Inhalt der Gedanken hin zum Beobachten des Wesens von Gedanken. Allein dieser Vorgang bewirkt schon ein Absinken des Stressniveaus. Noch bedeutsamer ist aber der Umstand, dass wir durch das stille Sitzen ein Nicht-Eingreifen verkörpern. Schließlich entscheiden wir uns ja in der Meditation von Moment zu Moment gewissermaßen für Passivität (im Außen). Im Inneren kommen wir dadurch mehr und mehr in einen Zustand zunehmender Ruhe und heraus aus der Enge und Getriebenheit, die belastende Situationen nun einmal auslösen. Erstaunlicherweise ist es gerade dieses Nicht-Tun (also weder Angriff noch Flucht), das Aushalten der Situation wie sie nun mal ist, dessen, wie sich das Leben und die Welt gerade darstellt die uns aus der Enge der Krise herausführt. Und es ist aus dieser Perspektive gar nicht verwunderlich, dass unsere dann folgenden Entscheidungen und Handlungen eine größere Stimmigkeit und Passung zu den äußeren Problemlagen aufweisen.
Abschließend eine kleine Handreichung für die Selbstanwendung:
Veröffentlicht in Selbstfuehrung; Veröffentlicht am 17.09.2026 von Sven Fissenewert 3 Minute(n) zum Lesen